Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Zwei Felstorsi am Rheinufer« – Eberhard Linke

»Poseidon« – Jo Kley

Der Gott des Meeres hat sich am Zusammenfluss von Rhein und Nahe niedergelassen

Poseidon, der Meeresgott, ist eine jähzornige und gewaltsame Figur der Myhtologie. War er gut gelaunt war, so schuf er neue Inseln und ließ die See ruhig und schiffbar sein. Erregte er sich, so stach er mit seinem Dreizack in die Erde, verursachte Erdbeben und Meeresstürme und brachte Schiffe zum Sinken. Poseidons aufbrausenden Charakter hat der Bildhauer Jo Kley in eine Welle übersetzt. Die Welle bäumt sich auf, und kann alles mit sich mitreissen. Wir sehen aber nur den Beginn des Aufbäumens. Genauso kann es sein, dass Poseidon sich gleich wieder beruhigt und in seinen kristallenen Palast in der Tiefe des Meeres zurückzieht.

Von 2000 bis 2002 hat Kley für eine Privatsammlung einen Zyklus der zwölf olympischen Gottheiten geschaffen. Der Wunsch des Auftraggebers war es, die Götter mit ihren sehr eigenen Charakteren ins Abstrakte zu übersetzen. So konzentrierte sich der Bildhauer auf Formen wie die Welle, Leiter, Turm, Spirale und Knoten, um die den Formen inneliegenden Assoziationen mit den Figuren der Götter in Einklang zu bringen. Dabei greift er in diesen Formen auf Vorlagen zurück, die bereits in der Natur zu finden und oft schon symbolisch besetzt sind. Jo Kley, der seinen „Poseidon“ während des Bildhauersymposiums in Bingen geshcaffen hat, ist für solche Symposien schon viel um die Welt gereist: nach Italien, Ägypten, Japan, USA, Norwegen und sogar in die Vereinigten Arabischen Emirate. Um so schöner, dass er sich durch die Rahmenbedingungen und in der Runde der Bildhauer in Bingen sichtlich wohl gefühlt hat. Wer zwischen Mitte April und Mitte Mai öfter das Symposium am Rhein-Nahe-Eck besuchte, konnte die einzelnen Arbeitsschritte nachvollziehen.

Da war am Anfang der monumentale Block aus Anröchter Dolomit, der mit Presslufthammer und Flex bearbeitet wurde. Im Folgeprozess wurde die „Handarbeit“ wichtiger. Den Feinschliff erhalten Kleys Werke durch viele Poliervorgänge von Hand. Allerdings ist es im Binger Poseidon gerade gewollt, dass die Oberfläche nicht zu glatt ist, sondern einzelne Bearbeitungsschritte noch sichtbar sind. Das entspricht durchaus dem „rauhen“ und „unbeugsamen“ Charakter des Meeresgottes.

Jo Kley hat erst eine Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer in Ulm absolviert, bevor er an der Muthesius Hochschule für Kunst und Gestaltung in Kiel Bildhauerei studierte. Seit 1995 ist er freischaffender Künstler und lebt mit seiner Familie in Kiel, wo ein stillgelegtes Kieswerk ihm als Atelier dient. Die lebendigen und manchmal eigenwilligen Arbeiten eines Michelangelo oder eines Gianlorenzo Bernini faszinieren Kley, der durch das Aufgreifen mythologischer Thematik sich durchaus in Verbindung zur Geschichte der Skulptur bringt. Um so interessanter ist es für den Betrachter zu sehen, wie auch in der Abstraktion Mythologisches umgesetzt und vermittelt werden kann. Welcher Platz wäre da auch nahe liegender, als den Meeresgott möglichst nah am Wasser und am Zusammenfluss zweier Flüsse zu platzieren.

Dr. Britta von Campenhausen

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