Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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529 SERIE

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»Gefäß und Haus für Bingen I + II« – Werner Pokorny

Dem Haus ein Denkmal gesetzt – Werner Pokornys „Gefäss und Haus für Bingen, I + II“

Nicht weit von Robert Schads „Nu Mine“ stehen Werner Pokornys aufrecht in den Himmel aufragende Stahlskulpturen „Gefäss und Haus für Bingen, I + II“. Während Schads „Nu Mine“ leicht und tänzerisch wirkt, aber zugleich tonnenschwer aus massivem Stahl ist, erscheinen Pokornys Werke massiv, geschlossen und schwer, sind aber im Grunde leicht, da sie aus Stahlplatten gefertigt wurden. So täuscht die Wirkung den Betrachter über die eigentlichen materiellen Gegebenheiten hinweg.

Das Massive und Geschlossene ist es auch, was den prägenden Charakter des Kunstwerks ausmacht. Auf zwei beziehungsweise drei aufeinander gestellten Gefässformen ist jeweils ein Haus gesetzt, das in seiner geometrischen Reduziertheit das Grundschema der Hausform aufnimmt. Hier irritiert Pokorny den Betrachter, indem er die Häuser auf dem Grundriss eines Parallelogramms aufbaut, die so aus verschiedenen Blickwinkeln illusionistisch wirken. Das Haus ist ein zentrales Motiv im Wirken von Pokorny. Es steht in der Dualität von schützendem Rückzugsraum und - im Fehlen von Fenstern und Türen - von Abwehr und Eingeschlossensein.

Man könnte die Geschlossenheit aber auch positiv als Schatztruhe lesen. Ebenso könnte man meinen, das Haus sei, in Erinnerung an prähistorische Pfahlhäuser, auf Holzstämmen errichtet. Auch Gefässe tauchen in Pokornys Werk immer wieder auf und greifen ebenso wie das Motiv „Haus“ eine elementare Form auf und erinnern zugleich an häusliche Zusammenhänge. Dabei erscheint es wiederum interessant, dass die zwei Skulpturen gemeinsam geplant und aufgestellt sind. In ihrer „Zweisamkeit“ geben sie einander wieder Geborgenheit und Nähe und heben somit das Isolierte des einzelnen Werkes auf. Pokorny setzt hier dem Haus an sich ein Denkmal und fordert somit den Betrachter auf, der Frage nachzugehen, was er ganz persönlich mit dem Thema des Hauses verbindet.

Pokorny hat, ebenso wie Robert Schad, in seinem Frühwerk intensiv mit Holz gearbeitet. Dabei geht er in seinen Kunstwerken sehr bewusst mit den verschiedenen Schaffensprozessen von „Skulptur“, also dem Heraushauen aus einem (Holz-)Block, und der „Plastik“, dem additiven Prozess des Aneinanderschweissens des Stahls, um. Erkennt man in seinen Holzskulpturen die Bearbeitungsspuren der Kettensäge, so geben seine Stahlarbeiten in perfektionistischer Manier keinen Hinweis auf den Entstehungsprozess und erscheinen dadurch wie aus einem Block geschaffen. Selbst die grossdimensionierten Stahlplastiken werden von Pokorny meist eigenhändig und mit absoluter Perfektion im Atelier gebaut.

Pokorny hat einen für einen Künstler durchaus ungewöhnlichen universitären Werdegang, da er in Karlsruhe nicht nur Bildhauerei, sondern auch Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft studiert hat. 1998 wurde er auf eine Professur für allgemeine künstlerische Ausbildung mit dem Schwerpunkt Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart berufen.

Dr. Britta von Campenhausen

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