Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

Navigation überspringen


Navigationsbaum: Künstler → Inhalte 529 Serie

Inhalte 529 Serie

529 SERIE

← zurück
»Zweier Ohne« – Achim Ribbeck
weiter →
»Stein für das Licht & Säuleninsel« – Kubach & Kropp

»Idee vom Fliegen« – Hans-Michael Kissel

Flügel, Welle oder Blatt?

Das fragilste Werk des Skulpturenparks ist leicht zu übersehen. Man muss die Augen offen halten und ein bisschen nach oben richten, um die „Idee vom Fliegen“ nahe des Hafenbeckens wahrzunehmen. Hans- Michael Kissel hat hier auf einer Höhe von bis zu sechs Metern ein feingliedriges Werk geschaffen, das aus drei miteinander verbundenen Armen besteht. Es handelt sich hier um eine kinetische Skulptur, das heisst ein Kunstwerk, in dem die mechanische Bewegung ein ausschlaggebender ästhetischer Bestandteil des Kunstobjekts ist.

Vor allem in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Kinetik populär. Aber bereits kunstgewerbliche mechanische Apparate des Manierismus und barocke Wasserspiele sind als ihre Vorläufer zu sehen. Bei kinetischen Konstruktionen dienen fliessendes Wasser, aufsteigende Warmluft (Weihnachtspyramiden!) oder wie hier der Wind als Antriebskraft. Dass sich der Fuss der Skulptur von Kissel mitdrehen kann, ist also wichtiger Bestandteil, da der Wind am Rhein seine Richtung ändert. Gar nicht im Sinne des Kunstwerkes ist es, wenn von Menschenhand durch Drehen am Fuss Geschwindigkeit in die kinetische Skulptur gebracht wird. Denn es ist gerade die Abhängigkeit von der Stärke des Windes, die die Bewegung des Kunstwerkes so spannend macht. Dabei ist es äusserst selten, dass die „Idee von Fliegen“ zum Stillstand kommt. Der Betrachter muss sich nur etwas Zeit nehmen um zu erkennen, dass im Zusammenspiel der drei Arme eine fast meditative Spannung erzeugt wird.

In den „Menschen“ zeigt sich Christina Wenn er sein Kunstwerk „Idee vom Fliegen“ nennt, denkt Kissel offensichtlich daran, die Form der konkaven Elemente mit Flügeln in Verbindung zu bringen. Die Leichtigkeit der „Flügel“ erinnert auch an das Wunder, das die Natur beispielsweise im Flug der Vögel vollbringt. Der Betrachter kann aber auch einen Blick auf das Logo der Landesgartenschau werfen und sieht, dass die drei „Flügel“ ebenso der Wellenform und der Form eines Blütenblattes gleichen. Im Grunde zeigt die „Idee vom Fliegen“ dem aufmerksamen Besucher in der Rheinanlage, welch ästhetisch einzigartige Formen in den verschiedensten Bereichen der Natur geschaffen hat.

Dass Hans-Michael Kissel als Silberschmied ausgebildet wurde und in Skandinavien in verschiedenen Ateliers gearbeitet hat, lässt sich an der feinsäuberlichen Verarbeitung des Aluminiums und Edelstahls und an der klaren, reduzierten Linienführung überzeugend ablesen. Der Künstler wurde 1942 in Worms geboren. Neben dem Silberschmieden wurde er auch in Metallgestaltung und Holzverarbeitung ausgebildet. Daran schlossen sich ein Besuch der Zeichenakademie in Hanau und eine Ausbildung in Design und Bildhauerei an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd an. Seit 1970 ist er als „selbständiger Kinetiker“ tätig und lebt und arbeitet heute in Ladenburg.

Dr. Britta von Campenhausen

← zurück
»Zweier Ohne« – Achim Ribbeck
weiter →
»Stein für das Licht & Säuleninsel« – Kubach & Kropp

Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein
info@529-bingen.de