Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Vier Versuche über das Sehen« – Jürgen Waxweiler

»Zugvögel«– Joan Thimmel

Wenn man sich die zwei Kunstwerke anschaut, die der 1950 in Rumänien geborene Joan Thimmel zum Skulpturenpark beiträgt, glaubt man kaum, dass sie vom selben Künstler geschaffen worden sind.

Da sind zum einen die drei „Zugvögel“ auf dem Rondell vor dem Bingerbrücker Bahnhof. Sie haben einander die Rücken zu gekehrt und schauen in verschiedene Richtungen: Einer scheint etwas ungläubig – Richtung Binger Loch - in den Himmel hinaufzusehen, den Schnabel hochgereckt, vielleicht geht der Blick einen Flugzeug nach, vielleicht ist es aber nur einer der Blicke um sicherzustellen, wie das Wetter wird (ein Blick, den man auf der Landesgartenschau immer wieder sehen kann). Sein Kompagnon hat den Schnabel geradeaus gerichtet und schaut offenen Blickes in Richtung der Stadt Bingen. Und dann ist da noch der dritte mit gesenktem Haupt in Richtung Hauptbahnhof, der traurig den Abreisenden hinterher sieht.

Ganz alleingelassen sieht er aus, auch wenn er sich in Gesellschaft der anderen zwei Vögel befindet. Joan Timmel hat diese drei Vögel während des Symposiums geschaffen, das von Mitte April bis Mitte Mai am Rhein-Nahe-Eck stattfand. Er hat die drei Blöcke Udelfinger Sandsteins zum Leben erweckt und Persönlichkeiten geschaffen. Während die Schnäbel glatt geschliffen sind und zum Streicheln einladen, deutet er mal feiner, mal in grösseren Linien das Gefieder an. Im Grunde sind es „lustige“ Vögel, wie auch Joan Thimmel einer ist, was jeder bestätigen kann, der ihn mit verschmitztem Gesicht an seinen Vögeln hat arbeiten sehen. Und der Titel „Zugvögel“ bekommt schliesslich am Bahnhof auch einen ganz eigenen Sinn.

Um so überraschter ist man dann, wenn man in der Basilika St. Martin die siebenteilige Installation „Das innere Licht“ erblickt. In einer Seitenkapelle kombiniert Joan Thimmel Holz und Marmor auf völlig abstrakte Weise.

Der Betrachter nähert sich dem Kunstwerk in der Kapelle in mehreren (visuellen) Schritten. In einer Ausrichtung auf den Altar hin stehen fünf Werke auf Sockeln hintereinander. Im ersten Fall ist es ein Holzstück mit einem Loch, das ein Stück geometrisch abstrakt gearbeiteten Marmors in sich trägt. Die folgenden vier Sockel tragen ausgehöhlte Baumringe, die ebenfalls mit Marmor kombiniert wurden. Auf dem Altar selbst stehen drei miteinander verbundene Holzplatten, deren mittlere einen umgewöhlich gewachsenen Ast trägt. Nicht zuletzt durch den sakralen Kontext erkennt man in dem Ast den gekreuzigten Christus, so dass die abstrakte Installation von Joan Thimmel einen ganz engen religiösen Kontext entwickelt.

So erinnern die drei Holzplatten auf dem Altar an die Trinität von Christus, Gottvater und Heiligem Geist. Und dennoch muss man die Installation keineswegs religiös lesen, sondern kann die Ästhetik des Abstrakten ganz unabhängig davon auf sich wirken lassen. Der wirkungsvolle Kontrast des dunklen Farbtons des unregelmässig gewachsenen und gemaserten Holzes mit dem des strahlend weissen Marmors wird oft von Thimmel eingesetzt, der es liebt, verschiedene Materialien zu kombinieren.

Thimmel, der an den Hochschule für Bildende Künste in Bukarest studiert hat, lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Borg bei Perl im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und Luxemburg. In dieser Gegend hat er auch bereits mehrere Altäre geschaffen. Beim diesjährigen Skulpturenpark von 529 zeigt er in beeindruckender Weise die ganze technische und konzeptionelle Bandbreite seines künstlerischen Schaffens.

Dr. Britta von Campenhausen

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