Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Großes Auge« – Gernot Meyer-Grönhof
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»Nu Mine« – Robert Schad

»Installation mit 24 Stelen« – Vera Röhm

In Blickachse zum Mäuseturm und zur Ruine Ehrenfels erheben sich im Park am Mäuseturm vierundzwanzig Stelen, in vier Reihen mit jeweils sechs Elementen geordnet. Die viereckigen Stelen, die sich über 5 Meter erheben, deren Seiten aber nur jeweils 14 Zentimeter messen, bestehen im unteren Teil aus Cortenstahl und gehen im oberen Drittel, ohne sichtbare Verbindung, in Plexiglas über. Der Kontrast der rostroten Farbe des korrodierten Stahls mit der Klarheit und Leichtigkeit des Plexiglas ist die augenfälligste Eigenschaft des von der Künstlerin für den Skulpturenpark ausgewählten Kunstwerkes.

Bereits seit 1972 benutzt Vera Röhm Werkstoffe unterschiedlicher Herkunft. Angefangen hat es mit Metall- und Steinarbeiten in Kombination mit Plexiglas, drei Jahre später kamen die „Ergänzungen“ hinzu, die Holz und Plexiglas kombinieren. Vera Röhms „Winkel-Ergänzung 40°“ von 2006, die momentan im Büro von 529 in der Vorstadt 36 ausgestellt ist, kombiniert Ulmenholz und Plexiglas und nimmt damit ebenso wie die „Installation mit 24 Stelen“ Bezug auf die Idee, ein hartes und dichtes Material mit dem lichtdurchlässigen und gegossenen Plexiglas in eine Einheit zu bringen. Bei den sogenannten Winkel-Ergänzungen wird zuerst ein in quadratische Form gebrachter Baumstamm mechanisch gebrochen und dann durch Füllung und Verbindung der offenliegenden Mittelstücke mit Plexiglas in einem bestimmten Winkel „repariert“.

Auch in den Stelen im Landesgartenschaugelände gehen der unter grossem technischen Aufwand speziell für diese Arbeit angefertigte Cortenstahl und das Plexiglas für das Auge des Betrachters nahtlos ineinander über. Während das Plexiglas der Stelen in seiner Transparenz den Übergang in den Himmel zu markieren scheint, leitet es bei der „Winkel-Ergänzung“ den Blick vielmehr zum Material des Holzes und der Struktur der Bruchstelle hin. Dennoch ist in beiden Fällen dieselbe geometrische Eleganz und Leichtigkeit spürbar.

Es lohnt sich ganz besonders, Vera Röhms rechteckiges Stelenfeld zu umschreiten. Da gibt es Blickachsen, in denen die Reihen geordnet scheinen, und Standpunkte, von denen man sich vor einem „Wald von Stelen“ wieder findet. Auch das Plexiglas verändert konstant seine Wirkung und nimmt ganz besonders auf Veränderungen am Himmel Bezug. So wird das Licht, das im Plexiglas aufgefangen wird, zum Teil der Skulptur – wie übrigens auch, bei Sonnenschein, der Schatten der Stelen auf den Aluminiumbasen eine weitere Dimension in das Kunstwerk bringt. Und dann gibt es noch die besonderen Durchblicke, die zeigen, wie sich auch der Mäuseturm in die Höhe entwickelt und selbst die Ruine Ehrenfels vertikale Architekturelemente aufweisen kann.

Die Künstlerin, die in Genf und Darmstadt aufwuchs, studierte von 1961 bis 1967 in Paris und Lausanne und arbeitete anschliessend in New York, New Mexiko und Kalifornien. Heute lebt und arbeitet sie in Darmstadt und Paris. In Darmstadt hat sie gerade ein altes Industriegebäude zu Ateliers und Ausstellungsräumen umbauen lassen und hat so mehr Platz für ihre raumgreifenden Arbeiten – wenn es nicht gerade die Gelegenheit gibt, wie momentan in Bingen die „Installation mit 24 Stelen“ in Dialog mit der Rheinlandschaft zu bringen.

Dr. Britta von Campenhausen

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