Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Poseidon« – Jo Kley

»Show für Lisa« – Robert Indermaur

Wer momentan in Bingen vom Bahnhof auf den Vorplatz tritt, kann in der Grünanlage der Zeuge einer grossen „Show“ werden, der „Show für Lisa“. Auf einer etwa sechs Meter langen und sich fast drei Meter in den Himmel biegenden Stahlplatte hat ein Mann die Arme ausgebreitet, sein Körper ist fast in der Horizontalen. Hat er, wie die Skateboarder im Park am Mäuseturm (an deren Rampen diese Platte erinnert), sich von der oberen schmalen Plattform in die Rundung hineingestürzt und bewegt sich nun lachend und mit nach hinten wehendem Jackett in kaum kontrollierbarer Geschwindigkeit nach unten, zur Ebene hin? Eigentlich ja. Allerdings sind die Beine breitbeinig nebeneinander gestellt. Wäre er in schneller Geschwindigkeit, müsste er durch die nacheinander aufsetzenden Beine die Geschwindigkeit abfangen.

So wirkt es, als würde er schnell noch einmal innehalten, um sich dann weiterzubewegen. Oder ist er gar schwerelos? Es ist eben eine richtige „Show“, eine „Show für Lisa“ (und natürlich auch für uns, die Betrachter). Lisa steht auf der Ebene der Stahlplatte, sie trägt ein Kleid und darüber einen einfach geschnittenen Mantel, hat die Arme verschränkt und schaut dem Ganzen, so meint man, mit Vorbehalt zu. Sie lächelt, und man ist sich nicht ganz sicher, ob sie sich über das männliche Imponiergehabe lustig macht. Die beiden Figuren haben erwachsene Gesichter und tragen die Kleidung von Erwachsenen, die Grösse der Bronzeskulpturen erinnert aber mehr an Kinder. Es ist die kindliche Leichtigkeit und Unbeschwertheit, von der sich Indermaur erhofft, dass die Erwachsenen sie beibehalten.

Der ausgebildete Lehrer, der mit Freunden durch die ganze Welt gereist ist, hat in den siebziger Jahren ein Kleintheater gegründet und eine satirische Zeitschrift herausgegeben. Aber seit inzwischen fast 40 Jahren ist die Malerei eine Konstante in seinem abwechslungsreichen Leben. Seit den neunziger Jahren hat der Anteil der Bildhauerei in seinem Schaffen gegenüber der Malerei zugenommen. Indermaur reizt dabei die „Hand-Arbeit“ und das Dreidimensionale, und nicht zuletzt vielfache Anfragen und Aufträge in diesem Bereich lassen ihn dabei immer weiter Neues schaffen.

Fliegen zu können, hat sich der schweizer Künstler schon als Kind gewünscht – und es sich solange vorgestellt, bis er in seiner Phantasie wirklich abheben konnte. Das Thema der Schwerelosigkeit und des Fliegens zieht sich durch sein Leben und sein künstlerisches Schaffen. Die Freiheit des „Umherstreifens in der dritten Dimension“ und die Bewegung sind für ihn ein Zeichen des Lebens an sich, das in der Beziehung des Neugeborenen zur Mutter den ersten Dialog findet. Diesem ersten Dialog folgen viele weitere, so wie auch dieser hier in Bingen zwischen dem „Showman“ und Lisa.

„Ich will eine turbulente Welt, eine quirlige, lebendige Gesellschaft, die sich spielerisch und offen zeigt und mit optimistischer Absicht eine liebens- und lebenswerte Umgebung schafft“ schreibt der Künstler. In der „Show für Lisa“ regt er uns dazu an, ebenso fröhlich und lebhaft unser Leben anzugehen.

Dr. Britta von Campenhausen

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