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529 SERIE

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»Etienne George« – Rinaldo Greco

Er hat die Beine übereinander geschlagen. Seine Hände ruhen auf einem Buch, das er mit dem Buchrücken nach unten auf den Oberschenkeln abgelegt hat. Sein Blick geht nachdenklich in die Ferne. So sitzt Etienne George, in Bronze gegossen, am Rand des Brunnens am Bürgermeister-Franz-Neff-Platz.

Stephan Etienne George, ein Grossonkel des Dichters Stefan George, wurde 1806 in Lothringen geboren. Als 12 jähriger Junge kam er zu seinem kinderlosen Onkel Johann Baptist George, dem Bruder seines Vaters, nach Büdesheim. Dieser war ebenfalls in Rupeldingen in Lothringen geboren und 1804 nach Büdesheim eingewandert. Für ihn, der des Deutschen sowie des Französischen mächtig war, war die Situation am linken Rheinufer, das französisch geworden war, durchaus von Vorteil. Zweisprachige Leute waren bei der französischen Verwaltung beliebt.

So wurde Johann Baptist George gleich nach seiner Ankunft Gemeindeeinnehmer, betrieb dann aber auch ein Weingut. Sein Neffe Etienne wuchs bei ihm auf und sollte schliesslich die politischen Erfolge des Onkels noch übertreffen. Mit 26 Jahren wurde dieser in den Gemeinderat gewählt, mit gerade einmal 31 Jahren Bürgermeister von Büdesheim. Nachdem er bereits dreissig Jahre dem Hessischen Landtag angehört hatte, krönte er seine Karriere 1872 mit dem Posten des Vizepräsidenten der Zweiten Kammer des Landtags.

Angedacht ist, dass die Figur langfristig vor dem „Haus der hundert Fenster“ in der Saarlandstrasse in Büdesheim aufgestellt wird. Dann würde George wieder vor dem Haus sitzen, das er 1841 als Grossherzoglich Hessischer Bürgermeister gekauft und grosszügig umbauen liess und bis zu seinem Tod 1888 bewohnte.

In Rinaldo Greco hat man einen Künstler gefunden, der ganz klassisch als Bildhauer arbeiten kann und so eine Bronze geschaffen hat, die überzeugend das Bild eines intelligenten und aufmerksamen Menschen des späten 19. Jahrhunderts vermittelt. Greco erinnert in der Anlage und Haltung der Bronze daran, dass Etienne George dafür bekannt war, vor seinem Haus zu sitzen, den Menschen zuzuhören und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. So wusste Etienne George, wo die Probleme in der Bevölkerung lagen. Nun sitzt er, sinnierend, was ihm von den Mitbürgern berichtet worden ist, und überlegt, wie er Kraft seiner Ämter auf Wünsche und Vorschläge politisch eingehen kann.

Greco benutzte während der Konzeption der Skulptur vor allem ein Porträtfoto des bärtigen Mannes mit den buschigen Augenbrauen als Vorlage. In der Kleidung lehnte er sich anhand von Bildquellen an die damals zeitgenössische Mode an. Die Vertrautheit Grecos mit dem über die Jahrhunderte wenig veränderten künstlerischen Prozess des Erschaffens einer Bronzeskulptur, die man an Etienne George ablesen kann, wurde sicher während seines Studiums angelegt. Der Italiener hat an der Kunsthochschule in Reggio Calabria studiert und mit dem Kunstdiplom 1975 in Brescia abgeschlossen. Seit 1978 ist er freischaffender Künstler in Deutschland und lebt und arbeitet inzwischen in Bärweiler. Mit Etienne George ist es ihm gelungen, das Bild einer Binger Persönlichkeit zu erschaffen und mit Lebendigkeit zu füllen.

Dr. Britta von Campenhausen

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