Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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529 SERIE

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»Begegnung« – Hubertus von der Goltz

»Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen« – Hans-Otto Lohrengel

„Wenn man doch nur die Gedanken der Mitmenschen lesen könnte“

Hans-Otto Lohrengels „Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen“ steht an der Rheinpromenade der Gartenstadt. Die äussere Linie der Skulptur lässt sich, dem Titel entsprechend, als menschlicher Hinterkopf und welliges Gesichtsprofil ablesen. Die wellige Innenlinie bezieht sich auf die Harmonie, die spitzkantige Seite auf die Aggression. So deutet Lohrengel die Gegenpole an, die im menschlichen Kopf, aber auch, wie Lohrengel selbst sagt, „in Gemeinschaften wie Familien, Schule und Unternehmen“ herrschen. Und er fährt fort: „Im Widerstreit zwischen aggressiven und harmonischen Gedanken entsteht ein stetiger Kampf zwischen Gut und Böse, Liebe und Hass, Ja und Nein oder Yin und Yang“.

Lohrengel greift ein grundsätzliches Thema auf, das jeden Menschen tagtäglich begleitet. Jeder Entscheidung, die wir treffen, geht eine innere Diskussion voraus, auch wenn wir uns dessen manchmal gar nicht bewusst sind. Unsere Mitmenschen können nicht in unseren Kopf, in unser Gehirn hineinsehen, und wissen nicht, welche Gedanken wir verfolgen, seien es freundliche oder unfreundliche. Unsere Mitmenschen sehen nur das Ergebnis dessen in unserem Handeln. Lohrengel macht es uns in seiner Kopfplastik sichtbar, und regt uns dazu an, unsere Gedankengänge bewusst zu verfolgen, aber auch unsere Meinungen und Haltungen zu hinterfragen.

Viele Jahre hat Lohrengel daran gearbeitet, ein Grundthema für seine bildhauerischen Arbeiten zu finden, bis er in der Kontrastierung von harmonischen und aggressiven Formenelementen ein Thema entwickelt hat, dass er immer wieder neu gestalten kann.

Die Wellenform des Profils sowie der einen Innenhälfte ist von dem Künstler ganz bewusst gewählt. Sie erinnert dabei nicht nur an das Urelement des Wassers, das im Zusammenhang der Aufstellung in Nähe zum Rhein eine besondere Harmonie von Plastik und Landschaft entstehen lässt. Man kann sie in Blick auf Lohrengels Schaffen auch als „Lebenswelle“ lesen, auf der wir Menschen getragen werden, mit allen Aufs und Abs, die das Leben bereithält. Das Thema der Welle bearbeitet der Bildhauer seit 1989, als er in einem Wettbewerb zum Thema Wasser und dessen Verschmutzung eine grosse „Trauerwelle“ am Mainzer Rheinufer aufstellte, die aus vorgefertigten Dachlatten bestand, die in der Gesamtheit die Form der Welle annahmen und in der Schaumkrone die verschmutzenden Abfälle präsentierten. In den letzten Jahren hat sich der vielseitige Künstler auch fotografisch mit dem Thema der Wellen auseinandergesetzt. Dabei hat er Fotoserien von bewegten Wasseroberflächen aufgenommen und am Computer überarbeitet und digital gedruckt. So reduziert er auf ungewöhnliche Art das Dreidimensionale des Wassers, das er in den Wellenlinien des aufgestellten Kopfes ebenso bildhauerisch dreidimensional umsetzt, in die zweidimensionale Bildwelt.

Lohrengel, der an der FH für Kunst und Design in Köln Bildhauerei, Bauplastik und Freie Kunst studiert hat und heute im Westerwald arbeitet und lebt, verschafft uns mit dem „Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen“ den „Durchblick“. Nicht nur, dass sich durch den Kopf hindurch interessante Blickfelder auf den Rhein mit der Germania und ich anderer Richtung auf die Gartenstadthäuser mit dem schwarzen Gestalten von Ivo Soldini erschliessen, sondern eben auch ganz im übertragenen Sinne.

Dr. Britta von Campenhausen

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