Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

Navigation überspringen


Navigationsbaum: Künstler → Inhalte 529 Serie

Inhalte 529 Serie

529 SERIE

← zurück
»Flammende Woge« – Volkmar Haase
weiter →
»Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen« – Hans-Otto Lohrengel

»Große Frau« – Walter Schembs

Walter Schembs „Grosse Frau“ überrascht den Betrachter auf ungewöhnliche Weise

Walter Schembs hat 2002 eine „Grosse Frau“ geschaffen. Wenn sie stehen würde, wäre sie etwa 3 Meter gross. Da sie allerdings auf dem Boden sitzt, den Kopf nach unten geneigt, wird die Höhe der Skulptur auf 170 Zentimeter „reduziert“, und ihr Kopf ist etwa auf Augenhöhe des Betrachters. Sie wirkt in sich gekehrt, Arme und Beine eng angezogen, so dass der Körper wie eine geschlossene Masse erscheint.

Mit welchem Material hat Walter Schems hier gearbeitet? Der erste Blick gibt eine klare Antwort: Holz. Es ist wohl geschwärztes Holz, die Kettensäge hat sichtbare Spuren hinterlassen, und auch die Maserung des Holzes ist erkennbar. Doch wenn der Betrachter dann die Skulptur anfasst (und zur Bestätigung vermutlich noch klopft, um sicher zu gehen) wird klar, dass es sich um ein anderes Material handeln muss: Schembs hat hier eine Bronze geschaffen. Unsere Sinne werden also getäuscht: während die Augen Holz sehen, ertasten unsere Hände und hören die Ohren Metall. Wie kommt es dazu?
Der Künstler, der aus Worms stammt, ist mit dem Werkstoff Holz grossgeworden.

Vater und Grossvater besassen eine Küfner- und Wagnerwerkstatt. Er selbst hat eine Schreinerlehre absolviert und sich auf diesem Wege noch einmal handwerklich und mit dem Wissen des Fachkundigen an das Material angenähert. Seit den achtziger Jahren hat er schliesslich seinen Umgang mit dem Holz ins Künstlerische umgesetzt. Da Holz im Aussenbereich ein eher empfindliches Material ist (das kann der Betrachter an Achim Ribbecks „Zweier ohne“ im Hafenbecken sehen), hat sich Walter Schembs einem witterungsunempfindlicheren Material, der Bronze zugewandt.

Er erkannte in der Bronze nicht nur eine eigene Schönheit des Materials, sondern auch, dass er seine Holzskulpturen, als Vorlage präzise in einen Bronzeguss umgesetzt, bis in das kleinste Detail wieder erkennen konnte. So wird also das Original, die Holzplastik, in mehreren Schritten über eine Negativform aus Silikon und ein Wachspositiv, das mit dem Original identisch ist, eins zu eins in die Bronze umgesetzt.

Der Künstler arbeitet mit der Kunstgiesserei „Kunstguss Kastell“ zusammen, wo die Bronze normalerweise in mehreren Teilen, die am Ende wieder zusammengefügt werden, im Wachsausschmelzverfahren hergestellt wird. Den letzten Arbeitsschritt stellt das Patinieren. Schwefelleber, Eisensulfat und Eisennitrat werden von dem Künstler mit dem Pinsel aufgetragen und mit offener Flamme eingebrannt, so dass auch bewusst die Schwärzungen entstehen. Das Material Holz, das wir erkennen, erinnert an die Plastiken der Südsee und Afrikas, die auch den Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner oder Pablo Picasso zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Inspiration dienten.

Gerade das schmale, in klarer Linie zusammenlaufende Gesicht der Sitzenden erscheint auf diese Weise fremd. Schembs nimmt sich hier das jahrtausende alte Thema der menschlichen Figur zum Vorbild und setzt es um in einen Menschen, der alleine und in sich versunken, fast meditativ seinen Gedanken nachhängt. Welche Gedanken dies sein könnten, muss jeder Betrachter sich selbst überlegen.

Dr. Britta von Campenhausen

← zurück
»Flammende Woge« – Volkmar Haase
weiter →
»Kopf mit harmonischen und aggressiven Elementen« – Hans-Otto Lohrengel

Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein
info@529-bingen.de