Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Große Frau« – Walter Schembs

»Flammende Woge« – Volkmar Haase

Eine grosse Welle türmt sich in Richtung Rhein

Volkmar Haases „Flammende Woge“ ist eines der wenigen Kunstwerke des Skulpturenparks, das aus Edelstahl geschaffen wurde. Dass Eisen sein bevorzugtes Material werden würde, hat Haase zu Beginn seines Studiums sicher nicht geahnt. Denn eigentlich wollte er Maler werden und war seit 1950 Meisterschüler von Max Kaus an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Ein Semester bei dem modernen Bildhauer Hans Uhlmann gab allerdings entscheidende Impulse zur Auseinandersetzung mit dem Räumlichen. Die Metallbildhauerei hat sich der 1930 in Berlin geborene Künstler autodidaktisch angeeignet. Seine Experimente in Eisen und Stahl sind Ende der 50er Jahre künstlerisches Neuland in Deutschland. Um sich in diesem neuartigen Medium ausdrücken zu können, lernt er das Schmieden und Schlossern in der Meisterschule für Kunsthandwerk. Seine ersten abstrakten Eisenplastiken sind Fächerformen mit klarer, konstruktiver Linienführung.

Ende der 80er Jahre findet Haase schliesslich zu seinem „Wogenthema“, das 1989 mit einer „Aurora“ begann, einer wellenförmigen, gleichsam aus dem Meer geborenen Skulptur. Er hatte sie erst als Modell entworfen und dann 3 Meter gross realisiert. Noch ohne Dynamik sei sie gewesen, sagt Haase, aber schon schwingend. Kein Wunder, hatte der Künstler die Jahre zuvor doch vor allem kantige Skulpturen entwickelt, so dass er die „Aurora“ als Fremdkörper empfand.

In der am Rhein aufgestellten „Flammenden Woge“ von 1994 kann man sehen, wie der Künstler dieses Thema weiterentwickelt hat. Diese Arbeit ist nach oben schwingend, sich aufbäumend und auseinander brechend. Im Grunde lehnen sich in dieser Woge quadratische gebogene Stangen Kante auf Kante aneinander an. Die Elemente erscheinen so fragil im Zusammenhalt und die Woge selbst so temporär, dass man das Gefühl hat, im nächsten Moment falle alles in sich zusammen. Während im unteren Bereich der Welle schon Teile weg zu brechen scheinen, ist die Welle nach oben hin so aufragend, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis die Spannung in sich zusammenbricht. Mit dem Titel der „Flammenden Woge“ erinnert Haase daran, dass die gegensätzlichen Elemente von Wasser und Feuer durchaus Bewegungen und Formationen aufweisen, die man kaum unterscheiden kann. So beschreibt das Züngeln des Feuers etwa manchmal Linien, die man auch im bewegten Wasser wieder findet. Nicht nur die Nähe der „Woge“ zum Wasser des Rheins, sondern auch das Lichtspiel auf dem gebürsteten Edelstahl macht diese Skulptur zu einem besonderen Erlebnis in der Landschaft der Hindenburganlage.

Der Künstler, dessen Werke sich im Lehmbruck Museum in Duisburg, in der Berlinischen Galerie, aber auch im Museum of Modern Art in New York befinden, sagt von sich selbst: „Wenn ein Werk fertig ist, interessiert es mich nicht mehr“. So kann er sich selbst als fast Achtzigjähriger immer offen dem Neuen und seinen neuen künstlerischen Versuchen widmen.

Dr. Britta von Campenhausen

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