Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Idee vom Fliegen« – Hans-Michael Kissel

»Zweier Ohne« – Achim Ribbeck

„Einmal hin, einmal her…“

Sicher eines der meistdiskutierten Kunstwerke des Skulpturenparks ist der „Zweier ohne“ von Achim Ribbeck im Hafenbecken.

Man sieht zwei Ruderer, die sich in einem kleinen Boot gegenübersitzen. Die Ruderblätter stehen in dieselbe Richtung. Und auch mit dem Titel bezieht sich Ribbeck ganz offensichtlich auf das Rudern. „Zweier“ für zwei Personen im Boot, und „ohne“ Steuermann. Das ist auch ihr Problem, das dem Betrachter aber erst bewusst wird, wenn er sich die Bewegungen genauer anschaut. Der eine Mann ist stark nach hinten gelehnt und hat den Kopf in der Verlängerung des Körpers zurückgeworfen. Die Arme angezogen, hat er gerade seinen Zug getan. Und der Mann ihm gegenüber, der sich nach vorne lehnt, hat die muskulösen Arme ausholend ausgestreckt. Er ist gerade dabei, seine Ruderbewegung zu beginnen – und somit in die entgegen gesetzte Richtung loszurudern. Das muss also heissen, dass die beiden unter vollem Körpereinsatz ihre Züge tun, sich aber nie mehr als einen Zug von der Stelle bewegen. Ribbeck visualisiert hier ein Grundprinzip des menschlichen Zusammenlebens. Würden die beiden Männer sich absprechen und kooperieren, könnten sie sich sehr effektiv gemeinsam in eine Richtung bewegen. So macht aber immer einer das zunichte, was der andere gerade unter grossem Kraftaufwand geschaffen hat. Eine Beobachtung, die man - traurigerweise - auf viele Bereiche des Lebens und der Gemeinschaft übertragen kann.

Geschaffen worden sind die beiden Ruderer aus Ulmenholz während des Bildhauersymposiums von Mitte April bis Mitte Mai am Rhein-Nahe-Eck. Ihre Grösse bedingt, dass die Köper nicht aus einem Stück Holz gearbeitet werden konnten. So sieht man beispielsweise am linken Arm und linken Bein des sich vorlehnenden Ruderers, dass diese an den Torso angesetzt wurden. Es ist beeindruckend, wie die sichtbaren Spuren in der Maserung des Holzes und die Jahresringe eine symbiotische Einheit mit den Körpern eingehen. Leider erkennt man inzwischen auch, dass Holz ein schwieriges Material für den Aussenraum ist. Die Temperaturwechsel der letzten Monate und die Witterung haben sichtbare Spuren im Holz hinterlassen.

Achim Ribbeck wurde 1944 in Bad Kreuznach geboren und hat nach dem Abschluss der Schule ein Grafik-Studium an der Werkkunstschule Mainz absolviert, bevor er an der Universität Mainz Kunsterziehung studierte. Seit 1979 ist er bereits als freischaffender Künstler tätig und in verschiedenen Künstlergruppen wie der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler und der Pfälzischen Sezession aktiv. Es zeichnet das Schaffen Ribbecks aus, dass er wie wenige andere in verschiedenen Medien und Materialien zuhause ist. So hat er sich in den sechziger Jahren vor allem der Malerei, der Herstellung von Masken und Marionetten aus Holz sowie Keramiken gewidmet. Ab 1970 schuf er dann seine ersten lebensgrossen Figuren aus Holz sowie kleine Bronzen und Buchsbaumfiguren, arbeitete aber auch mit Sandstein und Marmor. Drei Jahre später widmete er sich zudem Radierungen und fing an, sich mit Theorien der visuellen Wahrnehmung auseinanderzusetzen, ein Thema, das ihn wie viele andere bis heute begleitet und seine für einen Künstler durchaus ungewöhnliche Vielfalt und Offenheit des Schaffens begründet.

Und um nur eines noch klarzustellen: Oft fragen sich die Leute, was die ballonartige schwarze Ladung im Rücken der Ruderer zu bedeuten habe. Manchmal gibt es auch in der Kunst ganz profane Gründe. Das Boot war wider Erwarten nicht dicht und musste abgedichtet werden. Die gelbliche Schaummasse wurde dann, um weniger zu stören, schwarz gestrichen. Aber vielleicht sollte man das nicht erwähnen, denn alles, was die Phantasie anregt, kann nicht falsch sein.

Dr. Britta von Campenhausen

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