Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Zweier Ohne« – Achim Ribbeck

»Menschen« – Christina Wendt

„Menschen“ nennt die Schweizer Künstlerin Christina Wendt ihre lebensgrossen Figuren aus Terrakotta, die dem Besucher des Landesgartenschaugeländes diesen Sommer vor dem Historischen Museum am Strom sowie am Eingang Hindenburganlage begegnen.

Da sind zum einen die drei Frauen, die es sich neben den Enten auf der Rampe bequem gemacht haben. Während die eine auf dem Rücken liegt, die Arme unter dem Kopf gekreuzt, und in den Himmel schaut, haben die anderen beiden zu ihrer Seite sich, mit dem Ellbogen abgestützt, auf die Seite gelegt, damit sie einander sehen und – miteinander schwätzen können. Denn Kommunikation ist eines der wichtigsten Themen der „Menschen“ von Wendt. Das fällt noch einmal besonders in der Gruppe vor dem Museum auf. Ein Mann hat die Hand zur Untermauerung seiner Argumente angehoben, sein Gegenüber im Blick – und der hat den Kopf gedreht, weil hinter seinem Rücken sich anscheinend Spannenderes abspielt. Eine Frau hat die Hände in einer Bittgeste vor der Brust - und der Mann ihr gegenüber scheint mit ausgebreiteten Armen und geöffneten Handflächen zu sagen „Das weiss ich doch auch nicht!“. So lassen sich immer wieder neue Gruppen und Situationen entdecken – bis man schliesslich so weit ist, dass man auch die Landesgartenschaubesucher auf den Liegestühlen, die sich miteinander unterhalten, als Teil der „Menschen“ zu entdecken vermeint.

Die Plastiken sind wie ein freundlicher Spiegel, der uns, dem Betrachter, vorgehalten wird, und uns dazu bringt, unser eigenes Tun, unsere eigenen Kommunikation und Gestik zu hinterfragen, und auch unsere Mitmenschen noch einmal genauer anzusehen. Es sind eben die „Menschen“ der Schweizer Künstlerin, denen wir im Grunde überall begegnen oder schon einmal begegnet sind, sei es in der Fussgängerzone, am Stand in Italien, auf dem Basar in Afrika oder im Restaurant in Asien.

Miteinander zu reden, zu gestikulieren ist eben etwas zutiefst menschliches. Dabei ist es das Prinzip von Christina Wendt, dass die Figuren nicht nur nackt sind, sondern durch die fehlenden Haare auch noch auf dem Kopf „nackt“, noch weniger zeit- und ortsgebunden erscheinen. Zudem treten durch diese Gestaltungsweise die Gesichter und die Mimik in den Vordergrund.

In den „Menschen“ zeigt sich Christina Wendts Interesse an ihren Mitmenschen, das nicht bei den Freunden und dem Gewohnten halt macht. So hat sie eine Keramik- und Beschäftigungswerkstatt in einer Frauenstrafanstalt aufgebaut, mit schwererziehbaren Jugendlichen gearbeitet und Drogenprojekte betreut. Sie ist also nicht nur „Zuschauer“, sondern greift aktiv in die Gesellschaft ein.

Die Künstlerin, die in Bern eine Keramiklehre absolviert hat und in der Schweiz und in Spanien arbeitet, liebt das Material des Tons. Das Arbeiten mit der Hand am Material gibt ihr die Möglichkeit, ihre Ideen direkt umzusetzen. Sie hat auch damit experimentiert, Bronzeskulpturen herzustellen (die weitaus robuster sind als die Tonfiguren), musste aber feststellen, dass ihr dabei die Unmittelbarkeit des Schaffensprozesses, ihr enges Verhältnis zur Urmaterie Erde verloren ging.

Dr. Britta von Campenhausen

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