Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Flying Boat« – Jan Schröder

Wenn es ein Kunstwerk gäbe, das den Menschen auf dem Rhein den Beginn des Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal anzeigt, dann wäre es sicher Jan Schröders „Flying Boat“, das sich vom Wasser aus in idealer Blickachse zeigt.

Ein „fliegendes Boot“, wie könnte es auch anders ausgerichtet sein als auf den Fluss, der die Geschichte Bingens geleitet und geprägt hat. Der Eichenstamm, aus dem das Boot -vorwiegend mit der Kettensäge - herausgearbeitet ist, stammt aus dem Binger Wald. Das Boot ist als solches erkennbar, auch wenn die Formensprache auf das Minimum reduziert ist.

Zum Abschluss wurde das Holz geschwärzt und thront nun auf einer Höhe von gut sieben Metern am Ende der Mole des Yachthafens, so dass die Fährboote direkt neben dem Kunstwerk an- und ablegen.

Der Künstler Jan Schröder, der während des Bildhauersymposions von Mitte April bis Mitte Mai das Boot erschaffen hat, hat sich erst als Dreissigjähriger der Kunst zugewandt, erst als Autodidakt, dann an der Abendschule des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt. Zwei Jahre hat er in Venedig gelebt, bevor er sich in Bendorf niederliess und nun dort als freischaffender Künstler tätig ist. Nicht nur aus der Tatsache, dass er zwei Jahre Venedig als Lebens- und Schaffensort gewählt hat, kann man ablesen, dass das Boot an sich eine wichtige Rolle im seinem künstlerischen Werk spielt. Schon seit mehr als einem Jahrzehnt widmet er sich in immer neuen Ideen diesem Thema.

Eine Ausstellung im Mittelrhein-Museum 1996 nannte er „Vorbereitungen für eine Reise nach Kythera“, also den Aufbruch zur Insel der Liebesgöttin. In diesem Zusammenhang diente das Boot als Transportmittel und Lastentäger, und Jan Schröder äusserte sich dazu: „Das Schiff, beladen mit meiner ganzen Schwere ist meine Last als auch meine helfende Besatzung. Erwartungen, Hoffnungen, Lieben, das ist dann Zukunft, meine Zukunft, die Zukunft eines jeden.“

Boote nehmen, und dazu muss man nur auf den Rhein schauen, noch immer eine wichtige Rolle ein. Sie transportieren Massen, die auf dem Luftweg oder den Gleisen und der Strasse wesentlich aufwendiger zu bewegen wären, sie bringen Menschen an andere Orte, die sonst möglicherweise gar nicht zu erreichen wären.

Der Blick zum Fährboot zwischen Bingen und Rüdesheim zeigt, dass auch hier Menschen die direkte Verbindung suchen und dazu die Hilfe der Fährleute annehmen. In einem anderen „Boots-Ausstellungsprojekt“, das Schröder zusammen mit einem Bekannten konzipiert hat, hat dieser Porträts von Fährleuten ausgestellt, was Schröder zu dem Kommentar veranlasste, dass wir die Arbeit der Fährleute heutzutage nicht angemessen würdigten. Schröder weiss ihre Leistung zu würdigen, ohne die Binger Fährleute wäre die Aufstellung der Bootsskulptur am vorgesehenen Platz gescheitert.

Und so animiert er auch uns als Betrachter, darüber nachzudenken, welche Rolle und welche Bedeutung Boote in unserem Leben spielen und wo sie als Metapher eingesetzt werden können.

Ein „Flying Boat“ hat Schröder auch schon 2003 in Shanghai geschaffen – und wurde von den Chinesen darauf hingewiesen, dass die Komposition der zweifüssigen Stahlbasis und des Bootes im chinesischen „Feuer“ bedeute. So ergeben sich, völlig ungewollt, neue Zusammenhänge…

Dr. Britta von Campenhausen

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