Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Flying Boat« – Jan Schröder

»Nu Mine« – Robert Schad

Mit einer Linie in den Raum gezeichnet – Robert Schads „Nu Mine“

Mit ihren fast zehn Metern ragt „Nu Mine“ im Park am Mäuseturm aus der Silhouette hinaus. Wie ein Finger erhebt sich der oberste Meter der Skulptur aus Cortenstahl in den Himmel. Im Grunde handelt es sich um eine lange Linie, die Robert Schad ohne abzusetzen dreidimensional, also in den Raum hinein gezeichnet hat.

Die Skulptur, die eine der schwersten des Skulpturenparks ist und dennoch so leicht wirkt, spielt mit ihrer Widersprüchlichkeit. Die massiven, industriell gefertigten Vierkantstäbe erscheinen in sich gedreht, sie sind jedoch aus einzelnen Teilen entstanden, die zusammen geschweißt werden. Schaut man sich die Bewegung an, die „Nu Mine“ beschreibt, so bekommt der Betrachter das Gefühl, er habe eine Pflanze vor sich, die sich nach kurzer horizontaler Ausbreitung nach oben hin gereckt habe. Dieser vegetabile, natürliche Charakter steht im Kontrast zum Material, das aus der Industrie stammt. Robert Schad arbeitet hier mit Cortenstahl, einem Stahl, der von Künstlern aufgrund seiner Materialeigenschaften, aber auch wegen der durch den Rost geprägten Oberflächenstruktur gerne verwendet wird (so auch von den Künstlern Vera Röhm und Werner Pokorny im Park am Mäuseturm).

Cortenstahl ist eine sehr witterungsbeständige Stahllegierung, da die Oberfläche mit einer besonders dichten Eisenoxidschicht überzogen wird. Diese fungiert als Sperrschicht, die einen weiteres Eindringen von Feuchtigkeit und damit einen weiteren Rostangriff verhindert. In Amerika 1932 zum Patent angemeldet, wird Cortenstahl beispielsweise auch im Brückenbau und beim Bau von Hochhäusern verwendet.

Robert Schad ist durchaus zufällig zu diesem Material gekommen. Lange Jahre hat er vorwiegend in Holz gearbeitet. Als er allerdings 1985 eine zwölf Meter hohe Plastik für das Treppenhaus eines Museum schaffen wollte, wurde das aus feuerpolizeilichen Gründen untersagt - und der Künstler fand in der Verwendung von Stahl die rettende Lösung. Die Höhe seiner Kunstwerke stellt ihn allerdings vor ein anderes Problem - die Statik. So arbeitet Schad, den es immer weiter in die Höhe treibt, mit Ingenieuren zusammen, um sicherzugehen, dass die Werke in sich stabil sind.

Robert Schad, der 1955 in Ravensburg geboren wurde, hat wie auch Werner Pokorny an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe studiert. Heute lebt er als freiberuflicher Künstler mit seiner Frau, die Musikerin ist, in Frankreich. Die Profession seiner Frau hat ihn dabei in seinem Schaffen durchaus beeinflusst. So setzt sich auch seine Plastik mit dem Thema der Harmonien und Dissonanzen, der Bewegung und Entwicklung in Raum und Zeit auseinander. Auch dass bei verschiedenen Anlässen Balletttänzer zu beziehungsweise mit seinen Kunstwerken getanzt haben, kann man sich gut vorstellen.

Der Titel „Nu Mine“ trägt keine bestimmte Bedeutung und entspring der Phantasie des Künstlers. Während des Entstehungsprozesses eines neuen Kunstwerks geht Schad gedanklich verschiedene Namensideen durch, und in diesem Fall hat er „Nu Mine“ für passend gehalten. Dabei soll der Name durchaus auch den Betrachter anregen, sich über den Klang des Wortes und den Zusammenklang mit dem Kunstwerk Gedanken zu machen.

Dr. Britta von Campenhausen

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