Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Installation mit 24 Stelen« – Vera Röhm

»Großes Auge« – Gernot Meyer-Grönhof

Big Brother is watching you – „Grosses Auge“ von Gernot Meyer-Grönhof

Es ist das einzige Kunstwerk des Skulpturenparks, das sich ganz bewusst vom Rhein abwendet, allerdings nicht in Ablehnung des Flusses, sondern aus einem ganz anderen profanen Grund. Das „Grosse Auge“ könnte seine faszinierende Wirkung nicht entfalten, wenn es sich nicht der Sonne zuwenden würde.

Hier kombiniert Meyer-Grönhof einen breiten und soliden Eichenstamm, der in eine schmalere Stange aus Edelstahl übergeht. Auf die Stange montiert ist das „Auge“, der Betrachter blickt auf die Innenseite des Viertels einer Kugel. Diese Rundung ist ausgefüllt mit CDs. Der Künstler arbeitet bevorzugt mit völlig unterschiedlichen Materialien. Während der Eichenstamm in seiner ursprünglichen Gestalt ganz offensichtlich an das Wirken der Natur erinnert, die Edelstahlstange durch Material und Konstruktion schon ganz offen auf das Schaffen des Künstlers verweist, ist der Einsatz der im Sinne des kunstvollen Recycling der technisch hoch komplizierten und ausgereiften CDs ein Kontrast zum Holzstamm, der grösser nicht sein könnte. Die aneinander gesetzten CDs erinnern dabei durchaus an das aus rund 5000 Teilaugen zusammengesetzte Facettenauge der Bienen. Erst wenn die Sonne scheint, fängt das „Grosse Auge“ an, seinen Blick dem Betrachter freizugeben.

Das eintreffende Licht wird durch die verschiedenen Schichten der CDs in das Farbspektrum zerlegt und zeigt dem Betrachter je nach Standort andere irisierende Farben, deren Linien mit jeder Bewegung wandern. Dabei trifft die Sonne morgens auf die linke Seite der inneren Wölbung, so dass es wirkt, als sei die Pupille Richtung Osten gerichtet, gegen Abend ist es die rechte Seite und damit geht der Blick gegen Westen. Die „Pupille“ des Auges wandert im Laufe des Tages also mit der Sonne mit, so als würde sie in langsamem Verlauf die Häuser der Gartenstadt in „Augenschein“ nehmen.

Es ist dabei offen, ob es sich hier um ein den Betrachter beziehungsweise den Betrachteten verfolgendes Auge des „Big Brother“ handelt, das einem überall hin zu folgen scheint, oder ob es mehr ein beschützendes Auge ist, wie es beispielsweise Gott zugeschrieben wird.

Gernot Meyer-Grönhof gehört zu den Künstlern, die in der Region um Bingen arbeiten. 1951 in Bad Kreuznach geboren, hat er erst ein Studium zum Diplomingenieur an der FH abgeschlossen, bevor er sich von 1980 bis 1986 dem Studium am Fachbereich Bildende Kunst an der Universität in Mainz widmete. 2003 erhielt er den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Der Künstler, der in Bad Kreuznach lebt und dort seit 25 Jahren eine Malschule betreibt, hat viele Aufträge zur künstlerischen Ausgestaltung von Bauwerken und Platzgestaltungen erhalten.

Eines dieser Kunstwerke dürften manche der Leser schon gesehen haben. Es steht vor dem Schwimmbad Rheinwelle. Die Installation aus sich horizontal in den Himmel reckenden Wellen und der Figur, die sich innerhalb der farbig eingefassten Bahn im Schwimmstil des Kraulens gleichfalls nicht in der Horizontalen bewegt, sondern nach oben reckt als würde der Betrachter vom Boden des Beckens aus die Bewegung des Schwimmers und das Spiel des Wassers betrachten, nimmt klaren Bezug auf den Zweck des Gebäudes und kommentiert auf ästhetische Weise das Thema der Bewegung.

Dr. Britta von Campenhausen

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