Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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Inhalte 529 Serie

529 SERIE

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»Großes Auge« – Gernot Meyer-Grönhof

»Mutantenpaar – Fabeltiere« – Johannes und Liesel Metten

Ein Künstlerpaar findet in Tierkörpern und deren Verwandlungen sein Thema

Es ist durchaus ungewöhnlich und eine spannende Entdeckung, dass man im östlichsten Bereich der Rheinpromenade Kunstwerke zweier miteinander verheirateter Künstler in Blickachse betrachten und vergleichen kann. Interessant ist auch, dass das Paar sogar im Binger Raum, nämlich in Bacharach und Nieder-Olm, lebt und künstlerisch arbeitet.

Es handelt sich hier um die Bildhauer Johannes und Liesel Metten, die seit inzwischen fast fünfzig Jahren gemeinsam ihrer Berufung nachgehen. Johannes Metten ist mit einem „Mutantenpaar“ vertreten. Es handelt sich um zwei Bronzestelen die gut zwei Meter in den Himmel hinaufragen. Die Bronzen sind jeweils so konzipiert, dass man meint, man habe eine Figur vor sich, die die überlängten Beine in geschlossener, gerader Haltung nebeneinander gestellte habe. Dann schliesst sich ein zentraler Korpus an, der im obersten Bereich wieder zweigeteilt wird, Armen gleich. Bei einem der beiden „Mutanten“ gehen diese „Arme“ auseinander, beim anderen blieben sie geschlossen.

Auffallend ist die unruhige und ungewöhnliche Oberfläche der Bronzeskulpturen, die für Johannes Metten eine wichtige Rolle einnimmt: „Die strenge Form, oft reduziert auf eine hohe Stele, bekommt Leben durch die in Wachs und Wasser gesteuerten Oberflächenstrukturen. Zufallsentdeckungen werden bewusst provoziert und durchdringen die Körperhaftigkeit der Mutanten.“ Johannes Metten, der sich zu Beginn seiner Karriere - wie seine Frau - mit Tierplastiken auseinandergesetzt hat, hat sich von 1971 bis 1995 dem Thema „Mutanten - Mutationen - Torsi“ gewidmet. Im Grunde waren die Mutanten für ihn eine logische Weiterentwicklung vom Tier hin zu einem abstrahierenden Menschenbild. So erkennen wir nicht zu unrecht in den beiden Mutanten ein Paar, vermutlich sogar Mann und Frau, mit Armen und Beinen, aber eben doch „kopflos“ und mehr ein Anklang an Lebewesen denn ein konkretes Abbild.

Als Liesel Metten 1957 das Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München begann, war ihr Mann bereits Meisterstudent und unterrichtete die Anfänger. So lernte das Paar sich kennen. Die Liebe zur Tierwelt, die Liesel Metten uns in ihren Tierbronzen zeigt, manifestierte sich schon im kleinen Mädchen, dem klar war, dass es Insektenforscherin werden würde. Ein prägendes Ereignis für die Künstlerin war ein Besuch bei dem bekannten Bildhauer Henry Moore, der sie bestärkte, ihren künstlerischen Weg konsequent zu verfolgen.

So erschafft sie seit beinahe fünfzig Jahren Tierfiguren. Angefangen hat es mit Schmetterlingen, die in ihrem Œuvre eine wichtige Rolle spielen. In Bingen sind es zwei Einhörner und ein Widder, die ihren Tierpark repräsentieren. So ernsthaft Mettens Ansatz ist, das Tier auf wenige Erkennungsmerkmale zu reduzieren und den Körper der Tiere in Kuben umzusetzen, so sehr bleibt das spielerische und tierliebende ihrer Skulpturen im Vordergrund. Es ist eine ganz bewusste Entscheidung, dass die Skulpturen von Liesel Metten, die sie für den öffentlichen Raum geschaffen hat, bespielbar sind, so ein Schifffisch für einen Spielplatz in Schifferstadt oder ein Grashüpfer auf dem Dorfplatz in Meissenheim.

Sehr aussergewöhnlich für das Schaffen des Künstlerpaares ist, dass sie eine eigene Bronzegiesserei eingerichtet haben. Während die meisten Künstler viele Schritte des Entstehungsprozesses der Bronze an eine Giesserei abgeben müssen, können sie so ununterbrochen das Kunstwerk vom Modell zur Bronze begleiten. Die Begeisterung der Mettens für das Kunstschaffen geht allerdings auch noch über das eigene hinaus, indem sie ihre Räume in Nieder-Olm und Bacharach auch jungen Kollegen öffnen und zu Ausstellungen zur Verfügung stellen.

Dr. Britta von Campenhausen

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