Skulpturen bei 529 Bingen am Rhein

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529 SERIE

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»Der Beobachter« – Doris Bühler

»Spaceframes« – Hans Michael Franke

„Was haben die denn da für Steine liegen lassen?“ haben sich einige gefragt, die die „Spaceframes“ von Hans-Michael Franke vor der Wagenausbesserungshalle im Park am Mäuseturm haben liegen sehen. Unrecht haben sie damit nicht. Denn die beiden querrechteckigen Quader sind nach aussen hin unbearbeitet (bruchrau), so, wie der Muschelkalk aus dem Bruch gelöst wurde. Im Grunde hat Franke die Arbeit des Bildhauers am Stein umgedreht.

Er arbeitet nicht, wie es über Jahrtausende geschehen ist, von aussen nach innen, sondern er arbeitet im Stein selbst. Indem Franke Stein wegsägt, so dass glatte Innenwände entstehen, wird dem Betrachter der Raum (englisch „space“) bewusst, der im Binnenraum des geometrischen Körpers vorhanden ist - egal ob durch Stein oder durch Luft ausgefüllt. Lediglich als Rahmen (englisch „frame“) bleibt das Material stehen. „Das sieht ja aus wie ein Fernseher“ sagen manche, und haben damit genau ins Schwarze getroffen. Gerade durch die Rahmung ergeben sich ganz neue Aus- und Durchblicke. Der Stein ist nicht mehr alleine auf sich selbst bezogen, sondern er öffnet sich zur Natur hin, so dass man den Rhein oder die Anlage des Park am Mäuseturms sich, wie in einem Ausschnitt des Fotografierens, „einrahmen“ kann.

Beklettern soll man die Kunstwerke nicht, aber man darf sich durchaus einmal hineinsetzen und den umgebenden Raum von innen erleben. Denn auch wenn, oder gerade weil es ein kleiner Raum ist, so fühlt man sich doch geborgen und beschützt (was an heissen Tagen auch als Schattenspender genutzt wurde). Der ursprünglich schwere und abweisende Kubus wird auf ungewöhnliche Art zum Refugium, wie eine kleine Höhle, in die man sich zum Schutz vor seiner Umwelt in sein eigenes Reich zurückziehen kann.

Für Franke war es der Besuch eines Ganggrabes der Megalithkultur in irischen Newgrange im Dezember 1993, der ihn dazu angeregt hat, sich mit dem Thema „Raum im Stein“ und „Schutzräumen“ zu beschäftigen. In Newgrange war die Grabkammer ursprünglich völlig von Stein umschlossen und sollte so dem Toten Schutz gewähren. Frankes Umsetzung öffnet den Stein nach aussen, zum Betrachter und zur Natur hin, und gewährt uns dennoch Schutz.

Hans-Michael Franke kommt vom Material her. Er hat eine Ausbildung als Steinmetz absolviert und sich während seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe ausschliesslich mit dem Material Stein beschäftigt und bearbeitet mit Vorliebe Seidimentgesteine wie Muschelkalk und Sandstein. Diese geschichteten Steine können meist, da sie in horizontalen Schichten in der Steinbank gelagert sind, mit wenig sichtbaren Bearbeitungsspuren aus der Wand des Bruches herausgelöst werden. Frankes „spaceframes“ ist einer der abstrakten Beiträge des Skulpturenparks, der sich dem Betrachter sicher nicht leicht erschliesst. Aber wenn man sich die Zeit nimmt, die „Raumrahmen“ zu umschreiten, durch sie hindurchzuschauen in verschiedene Richtungen, und den Unterschied der rauen und der glatten Flächen zu ertasten, dann erkennt man die Kraft, die den erst einmal unscheinbar wirkenden Steinen innewohnt. Hans-Michael Franke ist derjenige, der dies uns bewusst machen kann.

Dr. Britta von Campenhausen

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»Der Beobachter« – Doris Bühler

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